Hundeversität

Individuelles Hundetraining

Tina Tschürtz
http://www.hundeversitaet.de

MILA



Mischling, Hündin, kastriert, gechipt und geimpft, geb. 22.11.2017, ca. 40 cm, aus Kroatien, derzeit in Hamburg

Anfang September 2018 habe ich Mila in Overrath bei Köln im Empfang genommen. Die Hunde wurden direkt an die neuen Besitzer weitergegeben, also gab es keinen Zwischenaufenthalt bei dem Verein hier in Deutschland. Bei Ankunft stand sie stark unter Schock. Sie hat Abstand zu den Menschen um sie herum gesucht, um sich auf dem Boden zu kauern. Mila war apathisch und hat über 24 Stunden nicht gepinkelt.

In Hamburg ist sie die erste Zeit nur auf ihrer Decke geblieben und war nur nachts aktiv. Sie hat nichts aus der Hand angenommen, aber aus Näpfen getrunken und gut gefressen. Ich habe sie in den ersten zwei Wochen täglich rausgetragen. Draußen war sie aber so gestresst, dass ihre Hinterbeine gelahmt haben. Deswegen habe ich Geschirr und Halsband abgemacht und sie in der Wohnung gelassen.

Alle Umgebungsgeräusche, alles in der Wohnung, ich in unterschiedlicher Kleidung … die Liste ist unendlich … haben sie verunsichert. Mila zeigte ein Lahmen der Hinterbeine und alle anderen denkbaren Körperlichen Zeichen von Stress. Das einzige was funktioniert hat, war das Fressen und die Toilette. Sie macht von vornherein ihr Geschäft in der Wohnung auf saugfähige Unterlagen.

Nach zwei/drei Wochen war Mila soweit angekommen, dass sie angefangen hat fremde Dinge anzubellen bzw. zu knurren. Sie hat ein Zimmer erkundet. Zu der Zeit konnte ich sie aus Abstand streicheln und kraulen. Danach hat sie allmählich ihr Radius erweitert, Zimmer für Zimmer, bzw. einige Bereiche der anderen Zimmer. Gleichzeitig hat sie sich nach und nach an die Umgebungsgeräusche gewöhnt und hat meine Nähe besser vertragen. In dieser Zeit hat das Lahmen der Hinterbeine nachgelassen, und es war nur hin und wieder eine Art Humpeln zu sehen.

Durch füttern aus der Hand in unterschiedlichen Bereichen der Wohnung hat sie sich langsam mehr entspannt. Woche für Woche hat sie mir in Zusammenarbeit mit einem Hundetrainer mehr vertraut. Mittlerweile sucht sie körperliche Nähe und macht sehr gerne diverse Übungen mit mir.

Sie ist in der Wohnung schon sehr mutig geworden. Schaut sich Dinge an, schaut was ich mache, hat sich an die Haushalts- und Umgebungsgeräusche gewöhnt. Sie hat auch nach und nach gelernt zu spielen. Ich fülle einen Ball mit Leckerlies, die sie mittlerweile recht geschickt herauspuhlen kann. Sie bekommt Papierkugeln mit Leckerlies zum aufreißen (anfangs hatte sie Angst vor solchen Kugeln). Sie ist in der Lage, sich über die Spiele, Übungen und das Füttern richtig zu freuen.

Was weiterhin ein Problem ist, sind andere Menschen in der Wohnung. Und sie will auf gar keinen Fall raus. Ich kann sie bei offener Wohnungstür füttern, aber sie verschwindet sobald es Geräusche im Treppenhaus oder Umgebung gibt. Ich wohne in einem Hinterhof mit kleinen Gärten, es wäre also möglich in relativ ruhiger Umgebung rauszugehen.

Zu einem entscheidenden Erlebnis für uns beide wurde es vor zwei Wochen, als ich mit ihr zum Tierheilpraktiker gehen wollte. Als ich sie in der Wohnung hochheben wollte hat sie angefangen panisch um sich zu schnappen. Ich habe sie trotzdem gehalten und sie hat mich gebissen. Anschließen hat sie sich komplett entleert. Danach wurde sie apathisch. Es hat zwei Tage gedauert bis Mila sich wieder entspannt hatte. In dieser Zeit hat sie alle Übungen weiterhin sehr gut mitgemacht, hat auch gut gefressen, war aber mir gegenüber verständlicherweise vorsichtig. Letztendlich kam sie aber wieder zu mir und hat die Körpernähe gesucht. Nun ist sie sehr anhänglich und verschmust und wir können weitere Fortschritte machen.

Das Problem ist, dass ich nicht stark genug bin, um sie auf Dauer zu begleiten. Mein Mann ist im Sommer gestorben. Durch die Trauer habe ich nicht sehr viel Kraft. Vor allem denke ich, dass das Rausgehen, andere Menschen begegnen, das hektische Leben in der Stadt, verlangt einen souveränen ruhigen Menschen, der den Hund in allen Situationen eine Stütze ist. Ich denke, dass Mila in ländlicher Umgebung besser entspannen könnte und auch mal draußen ihr Leben genießen könnte.

Kontakt: Erja Aaltonen, Tel.: 0170-5834872, e-Mail: E.A@kleinewelle.de

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